![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() LandschaftenÜberblickMauch bei Bühlingen![]() Der Name Mauch ist wohl keltischen Ursprungs und bedeutet so viel wie ein Bach von trägem Lauf. Im 13. Jahrhundert erscheint das Gewässer als "rivus Muche". Als natürlich plätschernde Quelle entspringt sie südöstlich von Rühlingstetten unter dem Namen "Apfeltränker", der nach einigen hundert Metern seines Ursprungs den Namen Mauch erhält. Feuerletten bildet unterhalb der bewaldeten Keuper-Bergrücken nordwestlich von Fremdingen eine grundwasserstauende Schicht. Als Quellhorizont entlässt sie das Grundwasser zum Tal der Mauch hin. Das Bächlein hat sich eingetieft in das Mosaik Bunter Trümmermassen, die der Meteoriteneinschlag hierher verfrachtet hatte. Je nach Widerstandskraft der anstehenden Gesteine wechseln sich steilere Talränder mit sanften Hängen ab. Das Gewässer selbst ließ im Laufe der Zeit Auenlehm, Schotter und Sande zurück. Diese jungen Talfüllungen begleiten die Mauch auf ihrem 15 km langen Weg bis hin zur Mündung in die Eger bei Klosterzimmern. Der Mensch nutzte lange die Kraft der Mauch und betrieb damit mehrere Mühlen. Regen und Schneeschmelze brachten früher das Flussbett wegen der zahlreichen Windungen im Ortsbereich von Fremdingen häufig zum Überlaufen. Seit die Flurbereinigung die Mauch begradigte, ist der Ort vom Hochwasser verschont geblieben. Ab Bühlingen verläuft die bis zu zwei Meter breite und etwa ein Meter tiefe Mauch durch ihr flaches U-förmiges Tal, wobei noch Abschnitte naturnah ausgebildet sind, während andere begradigt wurden. Die Mäander sind sicherlich menschlich beeinflusst, da sie normalerweise in einem so breiten Tal viel ausladender wären. Malerische Erlen und Weiden begleiten das Ufer des Bächleins. Bei einer extensiven Nutzung blühen auf den feuchten Wiesen zahlreiche Blumen wie Wiesenblatterbse, Flocken- und Wiesenwitwenblume. Auch viele Kleinschmetterlinge kann man hier beobachten. Durch den Bau einer modernen biologischen Kläranlage in Fremdingen reduzierte sich die Schmutzfracht deutlich. Die Wasserqualität der Mauch konnte durch diese kostenintensiven Baumaßnahmen um eine ganze Stufe verbessert werden. Noch heute erzählt man sich die Sage vom Mauchgeist. Er war klein von Gestalt, aber auf seinem hechtgrauen Körper saß ein riesiger Kopf. Aus dem fahlen Gesicht stachen feuerrote Augen und den großen Mund umrahmte ein langer weißer Bart. Trotz dieses schreckenerregenden Aussehens war der Mauchgeist nicht bösartig, sofern man seinen Frieden nicht störte. Einmal sollen zwei Buben nach dem Gebetläuten den Geist geneckt und ihm Schimpfnamen zugerufen haben. Der wütende Geist erhob sich aus dem Wasser und verfolgte, wie vom Wind getrieben, die beiden Lausbuben. Mit letzter Kraft ereichten sie ihr Haus und schlugen die Türe hinter sich zu. Von Stund an aber sauste und brauste es in den Ohren der Buben, als ob ein Wasserfall auf sie stürzte. Als sie das Rauschen und Tosen nicht mehr ertragen konnten, gingen sie eines Abends klopfenden Herzens zur Mauch, brachten dem Wassergeist einen Laib Brot und sprachen dabei: "Wassermännle, Wassermännle, eins, zwei, drei Der Mauchgeist ließ sich dadurch versöhnen. Gesund und heilfroh kehrten die Buben ins Dorf zurück. Blick ins Ries zum Hahnekamm![]() Von der Flachsdörre blicken wir über die blühenden Apfelbäume hinweg in die flach wellige, intensiv als Ackerland genutzte Umgebung Herblingens. Ruhig liegt die Josefs-Kapelle am weiden- und erlengesäumten Enderlachsweicher, der angelegt wurde, um die Nonnebergmühle bei Bedarf mit Wasser zu versorgen. Mach dem Dreißigjährigen Krieg errichteten die Freiherrn von Welden, diese Mühle, die 1696 der "ehrbare" Johann Sunderholzer aus Hochaltingen für 300 Gulden kaufte. Er verpflichtete sich "zur herrschaftlichen Braustatt in Hochaltingen alles Malz zu brechen." Flach wölbt sich der Nonnenberg, auf dem ein Kloster gestanden haben soll. Es ist längst versunken. Nur auf einem Luftbild meint man sein altes Gemäuer erkennen zu können. Gutnachbarschaftlich grüßen die Kirchtürme von Belzheim und Ehingen herüber. Im Osten zeichnet der Hahnenkamm seine zartblauen Komturen in den weiten Himmel. Zum vertrauten Bild unserer Nordrieser Heimat gehören die Hecken und Feldgehölze. Sie entstanden auf kleinen ungenutzten Flächen entlang der Grundstücksgrenzen, auf Böschungen oder an Feldwegen. Solange der Bauer mit der Sense mähte, wusste er die Hecke zu schätzen. Sie spendete Schatten in der Mittagsrast in sommerlicher Hitze. Die Hecken und Feldgehölze erfüllen wichtige Funktionen. Sie beeinflussen das Kleinklima, schützen den Boden vor Wasser- und Winderosion und sorgen so auf den landwirtschaftlichen Flächen für Ertragssteigerung. Sie sind Lebensraum für zahlreiche Tierarten, die hier Nist-, Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten finden. Insgesamt wurden in Feldhecken bis zu 900 Tierarten nachgewiesen, die meisten davon sind natürlich Insekten. Hier treffen wir Schmetterlinge, Käfer, Spinnen, Eidechsen und eine Reihe von Kleinsäugern wie Wiesel, Marder und Igel. Auch der in unseren Fluren selten gewordene Hase findet Unterschlupf. Die Felder bieten reichlich Nahrung für die typischen Heckenbrüter wie Grasmücke, Feldsperling, Heckenbraunelle und Neuntöter. Vor uns liegt das weite, ebne Ries, das seine Entstehung einem Meteoriteneinschlag vor nahezu 15 Millionen Jahren verdankt. Ein Steinmeteorit aus den Tiefen des Alls wuchtete einen Krater von etwa 25 km aus der Albtafel. Für zwei Millionen Jahre füllte sich der Krater mit Wasser. Versteinerte Schnecken und Schalen von Muschelkrebsen, die man westlich von Herblingen findet, beweisen ein reiches Tierleben im flachen See. Erosion und ein wiederentstandenes Gewässernetz räumten mit der Anhebung der Alb den Rieskessel aus und gaben ihm die heutige Gestalt. Am Ende der letzten Eiszeit lagerte sich im Ries eine Lößschicht ab, die in Verbindung mit dem relativ trockenen sommerwarmen Klima seit jeher die Landwirtschaft begünstigte. So schreibt der Kosmograph Sebastian Müller vor 500 Jahren: "Dieses Land hat guten Kornbau,…viel Vieh, gute Weide und allerlei Obst, schöne Pferde, viele Gänse und Schweine …". "Gedeiht der Keara im Ries, so spürt mans bis Paris", heißt es in einem Sprichwort. Heute nimmt im Ries der Anbau von Futterpflanzen, insbesondere Mais, einen hohen Stellenwert ein. Der Bauer kommt zu seinem Geld durch Verkauf von Fleisch und Milch aber auch durch die Erzeugung von Getreide. Das Ries gilt als eine überregionale Produktionsstätte für die Schweinehaltung. Segloher Moor![]() Am Nordrand von Seglohe breitet sich im "Brühl" auf 4 ha ein Niedermoorgebiet aus. Die Flur erhielt ihren Namen vom mittelhochdeutschen "brüel", was so viel wie eine tiefer gelegene mit Busch und Gras bewachsene Wiese bedeutet. In diese flache Senke zwischen Dorf und angrenzenden Fichtenwald drücken von den Anhöhen her die versickernden Niederschläge. Durch den Wasserüberschuss konnten sich die absterbenden Pflanzen nur unvollkommen zersetzen, so dass ein Flachmoor mit einer imponierenden Mächtigkeit von 1,7 m bis stellenweise 3,2 m entstand. Die harten, zellulosereichen Sauergräser waren nicht als Futter geeignet, sondern dienten insbesondere als Stallstreu. Bei der Flurbereinigung entschloss man sich, das Moorgebiet zu erhalten und es der Teilnehmergemeinschaft zuzuteilen. Seitdem steht dieses Naturdenkmal unter einem besonderen Schutz. Im Frühjahr und Herbst mähen die Segloher das Moor und die 5 ha große Fläche des östlich angrenzenden Rieds, das mit Schilfdickicht und eingestreuten Erlen durchzogen ist. Den östlichen Teil des Rieds baggerte man zu einem Badeweiher mit 0,7 ha Fläche aus und nutzte die Straße nach Hochstadt als Damm. Hier feiern die Segloher alle zwei Jahre ihr Weiherfest, das sich zu einem Volksfest im Nordries entwickelte. Am etwa zwei Meter breiten und tiefen Graben, der das Moor durchzieht, blühen Sumpfdotterblumen und Echtes Mähdesüß.In wassergefüllten Mulden wächst Fieberklee, aus dessen dreilappigen Blättern man früher fiebersenkenden Tee gewann. Aus dem bunten Teppich seltener Moorblumen ragen mehre Orchideenarten heraus (Mücken-Händelwurz, Echte Sumpfwurz, Breitblättrige Fingerwurz). Der leuchten rot blühende Sumpf-Storchschnabel ist eine Lebensgrundlage für den "Braunen Bläuling". Dieser Schmetterling verlässt das Gebiet nicht und saugt den Nektar an den Blüten, und lebt auch als Raupe auf dieser Pflanze. Dieser Falter ist in der Roten Liste Bayerns als sehr selten eingestuft. Vierzehn weitere Falter haben Biologen gezählt, darunter Schachbrett, Kleiner Heufalter, Violetter Silberfalter und als einzigen Vertreter im Ries den prächtigen Bläuling. Sumpf- und Teichrohsänger brüten hier nach ihrem Winteraufenthalt in Afrika. An den Erlen und Weiden findet man neuerdings Spuren des Bibers. Er ist vor hundert Jahren ausgestorben, wurde aber vor kurzem in Bayern wieder eingebürgert. Dieses nachtaktive und äußerst scheue Tier, das gut tauchen und schwimmen kann, gräbt sich Uferhöhlen mit einem Zugang unter Wasser. Den Wasserstand regelt er durch Dammbauten. Im Sommer frisst er Kräuter und Gräser, im Winter werden weiche Hölzer angeknabbert. Sein dichter Pelz schützt ihn vor Kälte. Die vielen Birken, Weiden und Erlen am Ufer des Segloher Moors bieten dem Biber also ideale Lebensbedingungen. An dem offenen Sumpfloch mitten im Moor versank einmal eine Kuh, die selbst mit Einsatz von Seil und Traktor nicht mehr zu retten war. "Der Knabe im Moor" von Anette von Droste Hülshoff kommt einem dabei in den Sinn: "Oh, schaurig ist’s, übers Moor zu gehen, Eitersberger Heide![]() Geradezu fremdartig mutet uns die Eitersberger Heide an. Die Pflanzendecke ist ganz anders zusammengesetzt als in den Talwiesen. Auf einer dünnen Humusschicht wächst Halbtrockenrasen über steinigem Untergrund. Die Heidelandschaft entstand im Mittelalter durch Abholzung und spätere Beweidung. Regenwasser versickert schnell im Untergrund. Bei voller Sonneneinstrahlung trocknet der Boden rasch aus und erwärmt sich stark. Hier können nur speziell angepasste Pflanzen gedeihen. Auf der etwa 10 ha großen Heidelandschaft wurden insgesamt an die hundert Pflanzen gezählt, darunter so seltene wie Thymian, Golddistel, Silberdistel, Heidenelke und der Deutsche Enzian. Der mittlere Teil ist mit Obstbäumen durchsetzt, die wegen der nach Süden exponierten Lage besonders gut gedeihen. Auf halber Höhe erhebt sich eine Eiche, sicherlich der älteste Baum in der Umgebung. Der Stammdurchmesser beträgt 5,80 m. Sie begann wohl zu wachsen, als Columbus Amerika entdeckte. Viele Geschlechter sahen sie kommen und gehen, gute und schlechte Zeiten vorüberziehen. Die Eiche galt unseren Vorfahren als heilig. Die Germanen unterstellten sie den Baum dem Gott des Donners Thor. Nach keltischer Vorstellung war jede Eichel von einer Fee beseelt und galt als mächtiger Glücksbringer. Das harte Holz der Eiche und ihr spät fallendes Laub machen sie zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. Sie ist von knorriger, harter Gestalt, raumbeherrschend und sonnenhungrig. "Sie ergreift wie der Adler die Beute In der Romantik wurde die Eiche zum Sinnbild für Treue, Kraft und Willensstärke. Das Eichenlaub erscheint seitdem auf Orden - zum ersten Mal auf dem Eisernen Kreuz 1813. Die Eiche biete Heimat für verschiedene Organismen von Algen, Pilzen und Mikroben über Insekten bis hin zu Vögeln und kleinen Säugetieren. Die Tierwelt nutzt auch die Schlehenhecke als vielfältigen Lebensraum. Vor allem die Dornensträucher bieten nistenden Vögeln guten Schutz vor Räubern. Der Neuntöter ist ein solch typischer Heckenbrüter. Die Hügel im Vordergrund sind Bauten der Waldameise, die in einem hochentwickelten Staatssystem leben. Im Frühjahr, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, krabbeln sie aus ihrem Winterquartier hervor und wärmen sich in der Sonne. Die Ameisen spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie dezimieren unzählige Schädlinge, sind aber auch Nahrung für viele andere Tiere wie Specht und Dachs. Erstaunlich ist, dass am Hang wie aus dem Nichts eine Quelle entspringt. Sie wird vom Einzugsgebiet des „Ritterfeldes“ gespeist und tritt an der Grenze vom Sandstein zum Feuerletten zu Tage. Nach der Abholzung entstand der Magerrasen durch extensive Beweidung durch Schafe. Sobald diese ausbleibt oder geringer wird, breiten sich sukzessive dichte Schlehenhecken aus. Der Berg wächst zu. So sieht man mehrmals im Jahr den Schäfer mit seiner Herde über die Heidelandschaft ziehen. Nur so kann die Eigenart und Schönheit der Eitersberger Heide mit ihrer einzigartigen Fauna und Flora erhalten bleiben. Zudem sind alle paar Jahre Landschaftspflegemaßnahmen notwendig, die den Schafen bei der Entbuschung helfen. Lerchenberg Herblingen![]() "Tausend Lerchen schwebten singend Mit seinen 492 m ist das "Biachle" der höchste Punkt in der Flur. Bei jeder Jahreszeit kann man von hier aus den herrlichen Blick über das weite Rund des Rieses genießen. Das "Biachle" markiert die Grenze des Riessees, der nach dem Meteoriteneinschlag etwa zwei Millionen Jahre bestand. An seinen Rändern entstanden Verlandungszonen, aus den Untiefen wuchsen Inseln aus Seekalk empor. Während die wenig widerstandsfähigen Seetone ausgeschwemmt wurden, haben Wind und Wetter den harten Riesseekalk des "Biachle" als Härtling herauspräpariert. Auf dem flachen nach Süden und Osten abfallenden Hang dehnt sich zwischen Mähwiesen und Äckern eine magere Extensivwiese aus. Auf dem trockenen Standort gedeihen seltene Blumen wie Aufrechter Ziest, Wiesensalbei, Sonnenröschen, Weg-Distel und Großer Ehrenpreis, Kleinschmetterlinge und Ameisen finden hier einen geeigneten Lebensraum. Zeitig im Frühjahr erklingt hier der erste Vogelsang. Wer den Sänger noch nicht an seinem Lied erkannt hat, entdeckt ihn hoch im Blau des Himmels. Es ist die Lerche, die ihr Lied im Flug vorträgt. Hoch in der Luft singt ihre Lieder Die Lerche steigt aus dem Feld erst einige Meter hoch ohne Gesang. Dann trillert sie einige Rufe und beginnt schließlich ihr Jubilieren. Dabei windet sie sich in schraubenförmigen Steilflug höher und höher. Im Scheitelpunkt bleibt sie rüttelnd stehen oder zieht enge Kreise ohne ihr Lied zu unterbrechen, das der Volksmund so übersetzt: "Tiri liri li, schön ist´s in der Früh`". Plötzlich ist der Gesang zu Ende. Die Lerche schwebt langsam einige Meter tiefer, legt die Schwingen an und fällt in Sekundenschnelle steil zur Erde. Kurz über dem Boden bremst sie mit ausgebreiteten Flügeln den Sturzflug und sinkt flatternd auf die Wiese. Südlich des "Biachle" fand man in der Flur "Edelmannsgrab" eine Glasperle - vielleicht ein Hinweis auf ein frühmittelalterliches Gräberfeld. Ausdruck tiefer Frömmigkeit und rührenden Gottvertrauens ist das mannshohe Denkmal aus Rieser Süßwasserkalk, das ein Kreuz aus Gusseisen bekrönt. Es erinnert an den "hrengeachtete" Schmiedemeister Lorenz Hach, der im April 1900 im Alter von 55 Jahren "ach Gottes unerforschlichem Rastschlusse" hier von einem Blitz erschlagen worden ist. Geschichte(n) und BilderDas Buch Fremdingen unsere Gemeinde, Geschichte(n) und Bilder einer Großgemeinde im Nord-Ries erhalten Sie im Rathaus Fremdingen. Texte: Klaus Lingel KontaktGemeinde Fremdingen Archive in BayernDas Portal "Archive in Bayern" führt zu den öffentlichen und privaten Archiven im Freistaat Bayern. Haus der GeschichteDas Haus der Bayerischen Geschichte veranstaltet Tagungen und Kolloquien, meist zu den jeweiligen Ausstellungsthemen, aber auch zu allgemeinen Themen des Ausstellungswesens. |