Kirchen & Kapellen
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St. Galluskirche in Fremdingen

Zu den bedeutendsten neuromanischen Sakralbauten im süddeutschen Raum zählt die St. Galluskirche in Fremdingen, die 1903 bis 1907 erbaut worden ist. Ihre Kunst erschließt sich vor dem politisch-religiösen Hintergrund zu Beginn des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Nach dem Ende des Kirchenkampfes versöhnte sich das wilhelminische Kaiserreich aus innenpolitischen Gründen mit den Katholiken und förderte den Baustil der Neuromanik. Dies kam dem jungen, tatkräftigen und kunstsinnigen Pfarrer Josef Eisele gerade recht, da er die kleine und längst baufällige Kirche nach den Weisungen des Bischofs durch eine neue ersetzen sollte. Um den Fremdingern sowohl in "künstlerischer als auch praktischer Beziehung ein würdiges Gotteshaus" zu errichten, verwarf er eine bereits baureife Planung und übertrug das Projekt dem Professor für Christliche Kunst Leonhard Romeis, einem ausgezeichneten Architekten. Romeis nahm sich für Fremdingen die von ihm in München erbaute St. Bennokirche zum Vorbild und vereinfachte die Pläne. Als Grundform wählte er die dreischiffige kreuzförmige Basilika, die durch uralte Tradition etwas Geheiligtes in sich birgt. Den stärksten Eindruck romanischer Baukunst vermittelt die Kirche vom Westen her. Kunstvoll fügt der Architekt die verschiedenen Bauteile aneinander. Auf Vorschlag von Eisele integriert er den "altersgrauen" Turm und erhöht ihn um ein Geschoss. Deshalb war es erforderlich, den Altarraum nach Westen auszurichten, eine Besonderheit, die Fremdingen mit dem Petersdom in Rom verbindet. Die Fabelwesen an Apsis und Turm sollten nach mittelalterlicher Vorstellung böse Geister abwehren.

Spenden aus der Bürgerschaft, von Gemeinde und Kloster, Erlöse aus dem "Bierpfennig" und von Heiligenbildchen, die als Bausteine verkauft wurden, eine von Pfarrer Eisele selbst durchgeführte Sammlung im ganzen Ries sowie eine bayernweite Kollekte ermöglichten es, die angesehensten Künstler jener Zeit nach Fremdingen zu holen. Karl Johann Becker-Gundahl, der in seiner Darstellung einen gesteigerten Realismus vertrat, malte in der Apsiskuppel den mächtigen Schöpfergott, den Engel und Verehrer der Dreifaltigkeit anbetend umgeben. In der Hochwand des Kirchenschiffes beeindruckt sein Fresko vom "Barmherzigen Heiland". Vor dem segnenden Christus knien eine junge Frau und ein alter Mann sowie Kaiser und Papst angetan mit den Insignien ihrer Macht. Gegenüber erscheint die Gottesmutter Maria in erhabener Gestalt mit langen blonden Haaren wie ihr Christus die Krone des Himmels überreicht. Im Zentrum der Kirche steht der prächtige Hochaltar aus Suevit. Der Aufbau, der einem Reliquienschrein nachgebildet ist, zeigt Darstellungen der ersten Glaubensboten in Deutschland, darunter St. Gallus, dessen Legende Georg Mayer-Franken an den Altarflügeln vorüberziehen lässt. Er verweist damit auf die Urgeschichte des Deutschen Reiches und interpretiert sie christlich-katholisch. Der Herz-Jesu-Altar, bei dem sich Mayer-Franken an romanischen Vorbilder der Buch- und Wandmalerei orientiert, gibt Zeugnis von der aufkommenden Herz-Jesu Verehrung, der Rosenkranzaltar von der wieder belebten Rosenkranzfrömmigkeit in Fremdingen. Die Hildesheimer St. Michaelskirche diente Karl Wahler als Vorbild für die herrliche Holzdecke. Apostel und Engel umrahmen die Geheimnisse des christlichen Glaubens: Auferstehung und Menschwerdung. Bei der Renovierung (1971-1975) konnte Geistlicher Rat Eugen Hänle dieses "Zeugnis der Frömmigkeit um die Jahrhundertwende" unversehrt erhalten. Damit setzt die St. Galluskirche gerade heute ein deutliches Zeichen gegen Materialismus und Werteverfall.
Die Inschrift über der Sakristeitüre, das Grab neben dem Südportal und die Bezeichnung einer Straße halten die dankbare Erinnerung an den Pfarrer Josef Eisele wach, an den "Aedificator huius templi domini", an den Erbauer dieses Tempels des Herrn.
St. Leonhard in Fremdingen
Steht ein Kirchlein draußen am Dorfesrand
gar einsam und still übers Jahr,
von einer Kette ganz umspannt,
wie es Brauch seit alters war.
Dem heiligen Leonhard ist es geweiht,
dem Schutzherrn von Hof und Hag.
Am grünen Bühl verträumt es die Zeit
Und wartet auf seinen Tag.
Im Herbst, wenn die Wälder entbrannt,
wenn Nebelschwaden ziehn,
dann kommen die Bauern vom Rieser Land,
zum Hügel reiten sie hin.
Dann strahlt die Kapelle im Segenslicht,
dann singt es und klingt es gar weit.
Und keinem es am Glauben gebricht-
So reiten sie in die Zeit.
(Herman Seufert)
Orte, auf denen Leonhardskapellen stehen, so behaupten Forscher, waren schon in vorchristlicher Zeit Schauplätze kultischer Handlungen und weisen auf Opferstätten des Thor oder gar auf solche der Keltengötter zurück.
Nach einer Sage, soll ein reicher Bauer die Kapelle in Fremdingen erbaut haben, nachdem er auf Fürsprache des hl. Leonhard von einem Unglück mit seinem Fuhrwerk bewahrt wurde. Schwedische Landsknechte schändeten die Kapelle im Dreißigjährigen Krieg. Als man unter den Trümmern das -heute verschollene- Gnadenbild des hl. Leonhard fand, entschlossen sich die Fremdinger zum Wiederaufbau der Andachtsstätte.
In früherer Zeit, so berichtet ein Chronist, habe hier ein großer Umritt der aus dem Ries herbeigeführten Pferde stattgefunden. Der Kapelle seien damals reiche Opfer zugeflossen. Nach dem Zeugnis der Votivtafeln aus dem 18. Jahrhundert entwickelte sich die Kapelle zu einem Wallfahrtsort, zu dem die Gläubigen aus der Umgebung kamen und einen mächtigen Fürsprecher bei Gott fanden. Knapp unter dem Dach verläuft rings um die Kapelle eine eiserne Kette. Davon berichtet eine Votivtafel von 1723: "Balteß Schiellinge von Utzwing" habe auf seiner Romreise ein solches "ibell" an seinem Fuß bekommen, dass er seine Reise nicht fortsetzen konnte. Als er dem "H.S. Leonhard Cabelll ein Kedting verlobt ist es selbie Stund besser wotten und gliglich heincommen." Auf seiner Reise durch das Alpenland hat er wohl die kettenumspannten Kirchen gesehen und stiftete zum Dank die Kette. So ist die Fremdinger Kapelle unter den kettenumspannten Kirchen die nördlichste.
1712 "verlobte" die Gemeinde eine weitere Tafel "samt einem Wachslicht das ganze Jahr zu brennen. Dadurch sie der heilige Leonhard wegen einer dazumal eingerissenen pestilenzischen Vieh-Seuch und anderen Gefahren befreite."
Anlässlich der Kapellenrenovierung 1985 belebte Geistlicher Rat Eugen Hänle den in der Geschichte oft vergessenen Leonhardi-Ritt, an dem jedes Jahr im Spätherbst etwa 100 Reiter mit ihren Pferden teilnehmen. Die im Stil der Neo-Renaissance ausgemalte und ausgestattete Kirche zeigt sich nach der Renovierung in seltener Geschlossenheit. So gibt die Kapelle Zeugnis katholischen Bewusstseins in Formen, die an das romanische Frühbarock erinnern. Die lateinischen Schriftzitate, die Symbole der katholischen Eucharistielehre, die Bilder der Tugenden und die heiligen Notburga und Sebastian am Hauptaltar sind deutliche Signale gegen Zeitgeist, Unmoral und religiöse Gleichgültigkeit geblieben.
St. Josefs-Kapelle in Fremdingen

Den östlichen Eingang zum Dorf bewacht die St. Josefskapelle. In ihr wurde nie eine Messe gelesen, doch am Feste des heiligen Josefs kamen "dorthin viele Leute, um ihre Andacht zu diesem Heiligen zu verrichten", berichtet Pfarrer Liebert 1865. Die Erbauungszeit liegt im Dunkeln, doch dürfte sie im17. Jahrhundert entstanden sein. Im Jahrgang 1814 ist das ganz schadhaft und zerfallene Josephs Kapellein ... theils durch Sammlung gutwilliger Beiträge, theils durch Beischuss von Stiftungsadministration von Oettingen von Grund aus neu wieder erbaut worden.“ Die Gemeinde wünschte, dass der Pfarrer die Kapelle "ausbenedizieren oder einsegnen" möchte. Um dies nicht übereilt zur Aussetzung einer Unannehmlichkeit oder einer Kritik zu unternehmen“, holte der Pfarrer Rat beim Dekan. Dieser antwortete ihm, "dass es daselbst nicht bewusst sey dergl. Feldkapellen zu benedizieren". Es war die Zeit der Aufklärung - die Einsegnung unterblieb. Der Kapellenstiftung flossen nur wenige Mittel zu, und zwar aus freiwilligen Opfern, so dass die Ausgaben für Kerzen und Unterhalt der Gebäulichkeiten durch die Einnahmen "gerade bestritten" werden konnten.
Die Kapelle erinnert an die unselige Zeit Napoleons, als französische Soldaten das Dorf unsicher machten und hohe Abgaben von der Bevölkerung forderten. Ein französischer Reiter nahm Pfarrer Borgias Stuhlmüller seine ganze Barschaft in Höhe von 12 Gulden ab. Verärgert über den geringen Betrag zog er ihm auch noch die Stiefel aus und nahm sie an sich. Noch schlechter erging es dem "Kreuzwirt“" Josef Osterrieder. Von ihm verlangten die Soldaten 300 Gulden. Als er diese nicht zahlen konnte, spannte sie ihn zwischen zwei Pferden. Unter Säbelhieben und wüsten Beschimpfungen schleppten sie ihn durch den größten Morast zum Dorf hinaus. Auch das Kloster wurde durch Forderungen an Geld und Lebensmittel "aufs höchste gedrängt und geängstigt". Als eine "feile Seele" den Franzosen verraten hatte, dass die Klosterfrauen ein paar Ochsen verkauft hatten, legten sie dem Kloster eine "Brandsteuer von 16 Karolinen" auf. Man erzählt sich die Sage, an der Josefskapelle sei ein französicher Soldat wegen Plünderung standrechtlich erschossen worden. Das Urteil war bereits vollstreckt, als der Reiter mit dem Begnadigungsschreiben von Dinkelsbühl herkommend eintraf.
Heute steht die Kapelle am Eingang zum ca. 4 ha großen "Gewerbegebiet Nord". Mit einem Kostenaufwand von etwa 600.000 DM wurde es in den Jahren 1991 und 1996 erschlossen. Inzwischen haben sich dort bereits drei Betriebe angesiedelt. Sie tragen zusammen mit weiteren 50 Firmen zur zentralörtlichen Funktion und zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Fremdingen bei. Insgesamt stehen in der Gemeinde über 400 versicherungspflichtige Arbeitsplätze zur Verfügung. Besonders ausgeprägt ist dabei das Bauhauptgewerbe mit 167 Arbeitsplätzen.
St. Laurentius-Kapelle in Bühlingen

An einer Wegbiegung erhebt sich die St. Laurentius-Kapelle in Bühlingen.
1734 bitten Antoni Fluer und Balth Eichberger zu Bühlingen, "einem Ort von 12 Haushaltungen", den Augsburger Generalvikar "unterthänigst" um Erlaubnis, eine "Capellen" auferbauen zu dürfen mit der Absicht, alle Sonn- und Feiertage darin einen heiligen Rosenkranz zu beten. "Gegen diese besondere Gnad sie sich gemeindlich verpflichten, obige Capellen in dem Bauwesen mit vereinten Kräften zu erhalten". Außerdem hätten bereits "zwei ledige Weibspersonen" 100 Gulden gestiftet. In seiner Stellungnahme meinte der für Bühlingen zuständige Marktoffinger Pfarrer, die 100 Gulden seien als Stiftungsgrundlage zu wenig. Außerdem fürchtete er, die Bühlinger würden sich mit dem Rosenkranz nicht zufrieden geben, sondern bald eine eigene Messfeier fordern. Die Errichtung eines Opferstockes in Bühlingen schmälere im Übrigen die Einnahmen der Mutterkirche. Das bischöfliche Ordinariat lehnte zunächst die Genehmigung ab und empfahl den Bühlingern, den Rosenkranz zu Hause zu beten. Die Bühlinger ließen aber nicht locker und erhielten wohl die Genehmigung zum Bau. Erst 1773 bat Dekan Pantaleon Stelzer, die kleine Andachtstätte weihen zu dürfen. Einige Male im Jahr trafen sich dann die Gläubigen zum Gottesdienst in der Kapelle zur "Hirtenmesse" vor dem Austrieb des Viehs und an den Bitttagen.
Der rechteckige Bau mit einem zur Hälfte eingebauten zierlichen Turm birgt eine Sakramentsnische im Osten des Chorraums. Die Kapelle ist dem Hl. Laurentius geweiht, wohl zum Gedächtnis über den Sieg, den Bischof Ulrich von Augsburg am Laurentiustag (10.August 955) über die Ungarn auf dem Lechfeld errungen hatte.
Das Altarbild der Muttergottes mit dem Jesuskind begrenzen rebenumrankte, gedrehte Säulen.
Ein geschickter Künstler aus dem 15. Jahrhundert schnitzte die Figur des Kapellenpatrons St. Laurentius. Angetan mit dem goldenen Gewand des Diakons offenbart das edle Gesicht das Innerste einer reinen Seele aber auch die unsäglichen Leiden, die ihm seine Peiniger zufügten, als sie ihn auf einen glühenden Rost ketteten.
Ein weiterer volkstümlicher Heiliger blickt gütig am Altargebälk. Es ist der Freund der Kinder, St. Nikolaus mit Buch und goldenen Äpfeln. In der Ostkirche ist St. Nikolaus der größte Heilige, im Westen kennt ihn jedes Kind. Nikolauskirchen säumten im Mittelalter die Wallfahrtsstraßen und Schifffahrtswege. Der Name Nikolaus bedeutet „Sieger über das Volk“. Seine Wohltätigkeit als Bischof wird von vielen Legenden gerühmt, die von der Hilfsbereitschaft des Heiligen erzählen. Zu Beginn der Adventszeit besucht „Bischof Nikolaus“ auch in unserer Gemeinde die Schule, die Kindergärten, die Vereine und so manches Haus. Er teilt Geschenke aus, lobt das Gute, mahnt zur Besserung und unterstützt so die Erziehungsaufgabe der Eltern und Lehrer.
Eine Kapellenstiftung bezieht Einkünfte aus Pachterlösen, die von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, und kümmert sich um den Unterhalt des Heiligtums, in dem sich die Bühlinger regelmäßig zum Rosenkranzgebet treffen.
Kirche St. Michael und St. Laurentius in Herblingen
Am höher gelegenen einstigen Ortsrand erhebt sich die Herblinger Kirche. Das Patrozinium St. Michael weist darauf hin, dass der Ort zur ältesten Besiedlungsschicht des Rieses gehört. Da für unsere Vorfahren das Ahnengrab eine mythische Bedeutung hatte, behielten sie die vorchristliche Kultstätte und den Begräbnisplatz auch in christlicher Zeit bei. In der Ortsmitte fand man Brandgräber der Bronzezeit und ein frühmittelalterliches Reihengräberfeld.
Nach dem wuchtigen Kirchturm und der behütenden Mauer zu urteilen, handelt es sich um eine Wehrkirche, die heute noch Zeugnis gibt von der Stärke und Kraft der mittelalterlichen Menschen, die sie erbauten. Der Chorturm erhebt sich über dem Altar und übernimmt so den Schutz des Allerheiligsten vor frevelhafter Entweihung. Gleichzeitig war er auch Verteidigungsturm, in dem die Herblinger vor Angriffen und Ausräuchern sicher waren. Die Kirche umgibt eine starke, heute noch bis zu vier Meter hohe Mauer, die den "heiligen Bezirk" und das "Dorf der Toten" schützt. 1760/61 ließ Pfarrer Glötter die Kirche um vier Meter nach Westen verlängern. Im Innern ist sie heute nicht mehr die alte Wehrkirche, sondern sie erstrahlt in farbigem Glanz des Barock.
Am Hochaltar stürzt der Erzengel St. Michael mit einer Lanze den Fürst der Finsternis aus dem Himmel. Darüber steht die Frage geschrieben: "Quis ut deus?" - "Wer ist wie Gott?" Rubinrot brennt in der silbernen Ampel das ewige Licht vor dem engelbewachten Tabernakel. Und wie treu vereint stehen auf Altären und Konsolen die heiligen Helfer: St. Leonhard und St. Wendelin, die Schutzheiligen der Landleute und auf der anderen Seite St. Sebastian und bescheiden in der Ecke an der Nordwand Rochus der Pestheilige. Unter den altehrwürdigen Fresken des Kreuzrippengewölbes weisen die barocken Figuren St.Ulrich und Afra auf die Urgeschichte des Augsburger Bistums zurück. Ein feinsinniges Zeugnis gotischer Bildschnitzkunst ist die Herblinger Apollonia. An der Chorwand stehend scheint ihr Antlitz von einer übergeordneten Macht ergriffen zu sein. Mit der Linken hält sie die glühende Zange mit dem Zahn, während die Rechte den altgolden, venezianerrot bemalten Mantel rafft. Auf dem Haupt trägt sie die goldene Krone ihres Martyriums.
Im Deckengemälde verherrlicht der Maler Fröschle (1873) mit kräftigem Kolorit den weiteren Patron der Kirche St. Laurentius. Der Diakon verweist auf die Mühseligen und Beladenen, die wahren Schätze der Kirche, während der Richter sich auf seine weltliche Macht beruft und ihn zum Tod auf einem glühenden Rost verurteilt, unter dem gerade die Schergen das Feuer entfachen.
Hohe Spendenbereitschaft der Herblinger ermöglichte es, eine neue Steinmeyer - Orgel (opus 2392) mit 6 Registern und Pedalkoppel anzuschaffen: Links: Gedeckt 8’, Prinzipal 4’ ‚ Rohrflöte 4’; Rechts: Larigot 2f 1 1/3, Flageolett 2’ ‚ Subbaß 16’. m 29. September 1992 weihte sie Erzbischof Dr. Josef Stimpfle feierlich ein. Mehrere Jahre begleitete auch Frau Elisabeth Böhm auf dieser Orgel die Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen: Soli Deo Gloria und auch zur Freude der Menschen.
Der von Frau Böhm gemalte Teller ist eine Erinnerung an die Einweihung des 1999 fertiggestellten Feuerwehrgerätehauses und der Festhalle.
St. Josefs-Kapelle in Herblingen
Generationen von Herblingern machten sich -oft mehrmals in der Woche- auf den Weg und gingen zu Fuß bei Wind und Wetter, bei Regen und Schnee nach Hochaltingen, um dort den Gottesdienst zu besuchen. Ein erster Sammelpunkt für Jung und Alt war die Josefskapelle an der Grenze der Herblinger Flur.
Nach dem zweiten Weltkrieg war es der fromme Sinn, der die Herblinger bewog, anstelle der baufälligen Kapelle diesen rechteckigen Bau zu errichten. Kunstvoll gedrechselte Säulen stützen die Vorlaube, dessen Giebel ein ausdrucksstarkes Kreuz bekrönt. Die Abendsonne strahlt durch das halbrunde Fenster im Westen auf den hl. Joseph mit dem Jesuskind, eine Figur, die 1997 nach der umfassenden Renovierung wieder hierher kam. Das von Professor Helmut Böhm geschnitzte Herz mit Kreuz am First der Kapelle ist Ausdruck der himmlischen und irdischen Liebe, der Kardinaltugend "Caritas".
Ans Südfenster schrieb der Hochaltinger Pfarrer Franz Sales Meyer (1918 bis 1959 Pfarrer in Hochaltingen), ein begeisterter Schachspieler, eine geheimnisvolle Botschaft, die Professor Dr. Helmut Böhm so interpretiert:
"Diese Kappelle wurde 1947 von Grund auf neu erbaut und zwar als Dank von den heimgekehrten Soldaten und als Bitte für die noch in Gefangenschaft Lebenden. Damit liegen zwei Bereiche fest, in denen die Bedeutung der Botschaft der Buchstaben-Zahlenreihen zu suchen ist: Die Kapelle als Haus Gottes und das Schicksal der Menschen in Not. Die Buchstabenfolge J C B M erfleht den Segen Gottes für das Haus –wie wir es an unseren Häusern jedes Jahr erneuern: Jesus Christus Benedicat Mansionem (Jesus Christus segne/schütze unser Haus) oder häufiger volkstümlich gelesen (ohne das J): Caspar - Melchior - Balthasar. Die Zahlenfolge: 22.5 in mittelalterlicher Form mit Bezug auf die Bibel und zwar sehr wahrscheinlich auf den Christus-Psalm, der beginnt mit "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" Der fünfte Vers dieses zweiundzwanzigsten Psalms preist die Erettung aus der Not –in unserem Fall die Rückkehr unserer Herblinger aus dem Krieg. Er lautet:
"Dir haben unsere Väter vertraut -
sie haben vertraut und Du hast sie gerettet."
Pfarrhaus in Hochaltingen
Dort wo sich die Straße zum Platz hin weitet, steht in unmittelbarer Nähe von Kirche und Gasthaus der älteste Pfarrhof im Ries. Seit fast 500 Jahren hat er seine bauliche Substanz nahezu unversehrt erhalten. Kaspar von Hürnheim (+1550), Domherr in Augsburg und Eichstätt und zugleich Pfarrer in Hochaltingen ließ 1532 dieses Haus, das infolge "des Alters zusammengefallen war" wieder errichten und zwar "zum Lobe Gottes und der heiligen Jungfrau Maria, der Patronin der Hochaltinger Kirche", so berichtet uns die stark verwitterte Steintafel in lateinischer Sprache neben der Eingangstüre.
Kraftvoll zeigt sich die Architektur, doch bleibt sie bescheiden und zweckmäßig. Das steile Dach mit dem abgetreppten Giebel bot einst genügend Platz für die Vorräte des Pfarrers, die über eine asymmetrisch angeordnete Luke eingebracht werden konnten. Den Hof umschließen landwirtschaftliche Gebäude und eine mannshohe Mauer. Gegen Norden zur Schlossstraße hin gibt sich das Haus mit den wenigen Fenstern eher verschlossen, während die bandartig angeordneten Fenster zum Garten im Osten und Süden den Sonnenstrahlen freien Einlass gewähren. "Ernstes und Heiteres liegen so nahe beieinander, dass man meinen könnte, der Baumeister hätte bei der Errichtung des Pfarrhofes das Leben eines Menschen zum Vorbild genommen." (Karl Höpfner).
Seit Tode von Pfarrer Franz Sales Mayer 1959 wohnt niemand mehr in diesem repräsentativen Gebäude. Der Pfarrhof ist verwaist und wird es wohl auch bleiben, wenn es nicht gelingt, eine neue Nutzung zu finden. Uns jedenfalls bleibt es aufgetragen, dieses einzigartige Kulturdenkmal als wertvolles Erbe unserer Vorfahren zu bewahren. Es regt uns zum Nachdenken an über vergangene Zeiten, aber auch über die Zeit, in der wir heute leben.
Der Pfarrgarten bietet eine reizende Kulisse, wenn die Hochaltinger sich dort zum Maibaumfest treffen oder den stimmungsvollen Weihnachtsmarkt veranstalten. Während es in früheren Zeiten nahezu in jedem Dorf einen eigenen Pfarrer gab, ist Priestermangel eines der Kennzeichen unserer säkularisierten Zeit. Die Pfarrhöfe in Schopflohe und Hausen sind vermietet, der in Raustetten dämmert seinem Verfall entgegen. Um die Seelsorge aufrecht zu erhalten, wurden die Pfarreingemeinschaften Fremdingen und Maihingen gebildet. Hausen und Seglohe werden von Ehingen aus betreut. Die Laien sind in Zukunft verstärkt aufgefordert, die Kirche vor Ort mitzutragen und die Gesellschaft mit dem Geist des Evangeliums zu durchdringen.
Da "Leib und Seele" zusammengehören, steht unmittelbar neben dem Pfarrhaus unweit der Kirche das traditionsreiche Gasthaus „Schwarzer Adler“. Die gemütliche Gaststätte bildet einen wichtigen Treffpunkt für die Bürgerinnen und Bürger. Der Name "Schwarzer Adler" stammt wohl aus einer Zeit, als die Religion als einigende Kraft alle Teile des Lebens verband. Was der Gläubige in der Kirche sah, das verstand er auch außerhalb. Der Adler versinnbildlicht nach der Geheimen Offenbarung den Evangelisten Johannes und ist das Symbol für Gottes schützende Fürsorge.
Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Hochaltingen
Idyllisch ragt aus dem Winternebel am nördlichen Höhenzug des Rieses der Turm der Hochaltinger Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Mit seinem markanten Doppelzwiebel, wirkt er als Wahrzeichen weit übers Dorf hinaus. Im 13. Jahrhundert entstand die Kirche im Schutze der nahen Burg. Sie ist eine gelungenes Zusammenspiel mehrerer Zeitepochen: Die Grundmauern der Gruftkapelle, der ehemalige Chor der Kirche, stammen aus dem 13. Jahrhundert. Pfarrer Kaspar von Hürnheim, der zugleich Domherr in Augsburg und Eichstätt war, erweiterte 1520 die Kirche um den jetzigen Chorraum und der quadratische Teil des Turmes. Das barocke Langhaus nach dem Vorarlberger Wandpfeilerschema entstand in der Zeit um 1730.
Dieses Juwel unter den Rieser Kirchen begeistert den Besucher durch die kostbare Ausstattung und beeindruckt den Gläubigen mit der theologischen Aussage als Rosenkranzkirche. Im Gemälde über der geschwungenen Orgelempore überreicht die Gottessmutter dem Heiligen Dominikus und der Heiligen Katharina den Rosenkranz, dessen Geheimnisse uns an den Deckenbildern eindrucksvoll aufleuchten. Der Eichstätter "Stukadorer" Franz Horneis rahmte 1735 die Gemälde mit fein getöntem Stuck und abwechslungsreichem Gitterwerk. Der barocke Hochaltar umfasst das Bild "Mariä Himmelfahrt" von K. Baumeister (1875). Auf den Durchgängen zur Gruftkapelle treffen wir auf die Helfer in Not: St Sebastian und St. Wendelin.
Ein überragendes Kunstwerk im süddeutschen Raum begegnet uns im Rosenkranzaltar von 1565 in der südwestlichen Seitenkapelle. Als Auftraggeber kommt Hans Johann von Hürnheim-Hochaltingen (+1585) in Frage, der letzte Spross seines Stammes. Inständig betend kniet er unter dem Rosenkranzbild in der Rüstung der Ritter; den Helm des Krieges hat er aber bereits zur Seite gelegt. Aus seinem Mund kommen die Worte: "Gott sei mir Sünder gnädig." Er hatte, wie eine Quelle berichtet, den Mörder seines Bruders erschlagen und deshalb 1569 eine abenteuerliche Reise ins Heilige Land unternommen. Mit diesem Altar wollte Hans Johann offenbar nicht nur ein Denkmal seiner Frömmigkeit setzen, sondern auch Sühne leisten, damit er vom Zorn Gottes verschont bliebe. Der Altar zeigt dramatisch, wie er sich das Jüngste Gericht vorstellte. Christus in blutrot gefärbtem Kleid schwebt als majestätischer Richter über der Erde. Denen zu seiner Rechten ruft er zu: "Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid". Als Zeichen der Missbilligung zeigt die linke Hand nach unten, wo mit einem Boot Charon, der Fährmann der griechischen Mythologie, die Verdammten über den Grenzfluss der Unterwelt in den alles verschlingenden Höllenrachen befördert. In der Mitte kämpfen die Engel Gottes um jede auferstandene Seele. Das Rosenkranzbild zeigt den himmlischen Hofstaat, die Heiligen und Engel als die großen Fürbitter der Menschen. Mit unbewegter Miene wägt St Michael, angetan mit einem weißen Gewand, unbestechlich die guten und bösen Taten der Menschen.
So meisterhaft gestaltet ist der Altar, dass man den Künstler im Umkreis Albrecht Dürers vermutet. Das Siegel mit drei Türmen auf dem Jesusgrab dürfte ein Hinweis auf den bislang unbekannten Maler sein. In Verbindung mit dem Altar steht die 1626 oberhirtlich bestätigte und heute noch lebendige Rosenkranzbruderschaft. Johann Dietrich von Welden wird im Bruderschaftsbuch als Stifter, Wohltäter und Mitglied dieser von Pfarrer Wolfgang Kapfer eingeführten Bruderschaft genannt. Über 8000 Mitglieder, die sich zum täglichen Rosenkranz verpflichteten, haben sich im Laufe der Jahrhunderte ins Bruderschaftsbuch eingetragen und sind gleichsam Gott namentlich bekannt.
Kapelle bei Hochaltingen
Weit blickt die Kapelle vom Lukasbuck hinunter ins Tal. Sie ist ein Dankgebet aus Stein. 1982 ließ sie Anton Neureiter aus Hochaltingen errichten zum Dank für die glückliche Heimkehr nach schrecklichen und entbehrungsreichen Jahren des Krieges und der Gefangenschaft in Russland. So zeigt auch das Altarbild aus Betonguss die brutale Szene unter dem Kreuz: Die Schmerzensmutter trägt ihren geschunden Sohn auf ihrem Schoß.
An die unselige Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges erinnern uns noch zwei weitere Bauwerke in unserer Gemeinde: Die Marienkapelle in Hausen und die Josephskapelle in Herblingen. In den Maitagen 1945 drohte den Dörfern Hausen und Seglohe großes Unheil. Aus dem Fränkischen kamen über die Anhöhen des Oettinger Forstes Panzer der 7. US-Armee und verfolgten die sich ins Ries absetzenden SS-Einheiten. Für die Bewohner war dies ein "beängstigender Tag, ein Tag der inneren Bewährung". Mit "Gottvertrauen" überstanden sie die Stunden voller Ungewissheit. Unter Anleitung von Pfarrer Anton Moser entstand zum Dank, dass alles gut vorüberging, am alten Segloher Kirchenweg eine Marienkapelle. Der Pfarrer selbst malte das farbenfrohe Altarbild: Die Muttergottes thront als Himmelskönigin vor der Hausener Rufuskirche und überreicht dem Jesuskind einen Apfel. Zu ihrer Verehrung hat sich ein Bauersmann mit seiner Bäuerin eingefunden. Die Attribute Garbe, Beil und Reh sind Hinweise, dass die Bewohner Hausens seit jeher in der Land- und Forstwirtschaft ihr Brot verdienten.
Die Josephskapelle in Herblingen wurde "1947 von Grund auf neu erbaut und zwar als Dank von den heimgekehrten Soldaten und als Bitte für die noch in Gefangenschaft lebenden." (Helmut Böhm)
Die Fremdinger gelobten eine jährliche Fußwallfahrt nach Wemding, da der Einmarsch der Amerikaner "reibungslos" vor sich ging. Vor dem Anrücken der US- Panzer am 25. April 1945 beseitigte man noch schnell die Panzersperren am "Kellerbuck" und hisste die weißen Fahnen. Zum Glück kam es zu keinem Schusswechsel, da die SS-Einheiten, die auf dem Urlas mit schweren Geschützen Stellung bezogen hatten, bereits abgezogen waren. Noch am 5. April 1945 hatten amerikanische Tiefflieger in der Nähe des Wolfskorbes den Eisenbahnzug Dinkelsbühl Nördlingen beschossen. Drei Tote und mehrere Leichtverletzte waren zu beklagen.
Die fünf Soldaten- und Veteranenvereine (Fremdingen, Schopflohe, Hausen-Seglohe, Herblingen und Hochaltingen) haben es sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt wach zu halten. Am Volkstrauertag ehrt die Gemeinde durch Gebet und Kranzniederlegung die Gefallenen und Vermissten unserer Dörfer, deren Namen in Stein gemeißelt sind. Sie mahnen uns zum Frieden, denn "die sich des Vergangenen nicht erinnern, sind dazu verurteilt, es noch einmal zu erleben." (Santayana)
Evangelische Pfarrkirche St. Sixtus und Benediktus in Schopflohe
Die Baugeschichte der evangelischen Kirche St. Sixtus und Benediktus führt mit dem Untergeschoss und dem Kern des Langhauses in das 14. Jahrhundert zurück.
Den Turm erhöhten die Schopfloher im Jahre 1568. Zu einer umfangreichen Reparatur kam es schließlich in den Jahren 1783/84, als ein so gewaltiger Sturm daherkam, "dass man meinte, ganz Schopflohe werde untergehen". Die Vorhalle im Westen kam bei der Renovierung 1908 hinzu ebenso wie das Tonnengewölbe im Langhaus. Nach einer umfassenden Innen- und Außenrenovierung in der Zeit von 1999 bis 2001 unter Pfarrer Andreas Maar erstrahlt die Kirche in alter Schönheit. Das Dach des Kirchturms bekrönt ein Fisch, ein Sinnbild, das die Urchristen als Geheimzeichen benutzten, um ihren Glauben zu bezeugen.
Das einst so reiche Geschlecht der Truhendinger hatte wohl der Pfarrei ihre ursprüngliche "Dotation" gegeben. Die Truhendinger verarmten im Laufe der Zeit und verkauften 1384 den Kirchensatz (Recht, einen Pfarrer einzusetzen) samt den Widenhof (Pfarrgut) um 450 Pfund Heller an Contz Adelmann, einem reichen Bürger aus Schwäbisch Hall. Von ihm kam der Besitz über den Dinkelsbühler Patrizier Friedrich Hofer schließlich 1499 an das Spital von Dinkelsbühl.
In der Reformationszeit verlangte Graf Ludwig XV. von Oettingen-Oettingen vom Dinkelsbühler Spital, "dass der Meßpfaff abgestellet und ein Prediger Augsburger Confession verordnet werden möge". In der Folgezeit wechselten katholische und evangelische Pfarrer in Schopflohe ab. Der Westfälische Frieden 1648 sprach die Kirche den evangelischen Christen zu, da im "Normaljahr" 1624 ein evangelischer Pfarrer in Schopflohe amtierte.
Bedeutsam sind die Grabsteine der Pfarrer aus dem 16. und 17. Jahrhundert, darunter der von Georg Friedrich Feghelm (*1729,+1800). Zur Zeit der Napoleonischen Kriege wurde Schopflohe von "Militär aller Nationen wegen der frequenten Heerstraße von Nördlingen nach Dinkelsbühl überschwemmt und musste ungeheure Lieferungen an Getraid und Furage" tragen. Marodierende französische "Voluntairs" misshandelten den Pfarrer so sehr, dass er daran starb. Die Kirche in Schopflohe ist der geistige Mittelpunkt für die etwa 200 evangelischen Christen , die in der Einheitsgemeinde Fremdingen leben. Längst ist der Pfarrhof abgebrochen, der Seelsorger kommt aus Ehingen.
Das Leichenhaus, ein fünfeckiger Bau mit Pyramidendach, wurde 1980 nordöstlich der Kirche mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde errichtet. Von hohen Mauern umhegt liegt das 1989/1990 erbaute evangelische Gemeindehaus und eine Tagungsstätte, in der sich Jugendliche aus den Riesdekananten zur Fortbildung treffen und Schulkinder erholen.
Katholische Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit in Schopflohe
Nach dem 30jährigen Krieg wurde die Schopfloher Kirche den evangelischen Christen zugesprochen. Da es nicht gelungen war das Gotteshaus als Simultankirche zu benutzen, mussten die katholisch gebliebenen Schopfloher über 100 Jahre in den umliegenden Pfarreien den Gottesdienst besuchen.
Dies fiel, "bei rau- und kalter Winterszeit alten kränklichen Menschen und Kindern“ besonders schwer.
Umso größer war die Freude als die Schopfloher Katholiken die Erlaubnis erhielten zur "Auferbauung einer Capelle". Das Grundstück stellte Zacharias Gaß zur Verfügung. Dafür erhielt er ein Grundstück am "Badplatz" für den Neubau eines Hauses.
Anfang 1770 karrten die Schopfloher "100 Fuhren" Bruchsteine her und begannen mit dem Bau. Dekan Pantaleon Stelzer benedizierte die Kirche am 12. Januar 1772 auf den Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.
Die Seelsorge übernahm zunächst der jeweilige Beneficiat des Hochaltinger Spitals und ab 1789 ein eigener "Kurat", für den am südlichen Ortsrand ein Pfarrhaus errichtet wurde.
1887 erfolgte eine Erweiterung der Kirche um vier Meter nach Westen.
Der "baufällige Dachreiter" wurde durch einen stattlichen Turm ersetzt.
Ein Meisterwerk filigraner Schmiedekunst sind das Doppelkreuz auf der Turmspitze und das Lateinische Kreuz am Chorfirst, das den Wetterhahn trägt. Die Volksfrömmigkeit schreibt dem doppelbalkigen "Spanischen Kreuz" (Crux Caravaca) einem besonderen Schutz gegen Unwetter zu.
Der Hausener Pfarrer Anton Moser ließ die Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg völlig umgestalten und gab ihr das heutige Aussehen. Sein Ziel war es eine "echte Osterkirche" zu schaffen. Franz Nagel, der spätere Münchner Akademieprofessor, malte 1947 den Wandteppich mit Evangelisten und Propheten und 1950 die farbenfrohen Fresken ,die Ostergeheimnisse darstellend, über den beiden Seitenaltären. Die Fresken sind nicht in geometrisch starre Formen gezwängt, sondern im freien Rhythmus verteilt. Hier zeigen sich Anklänge an die französichen Maler Braque und Matisse. Die Kreuzigungsgruppe am Hochaltar ist ein Werk von Franz Lorch. Die spätgotische Figur des heiligen Papstes Sixtus am rechten Seitenalter kam von der evangelischen Kirche hierher. Beeindruckend ist der Taufstein, der aus der Erbauungszeit der Kirche stammt: Aus einem Baumstumpf, den die Schlange mit dem Apfel im Maul umwindet, wächst ein Blütenkelch hervor. Den 1897 angeschafften neuromanischen Altar verkaufte Pfarrer Moser 1947 an die ausgebombte Pfarrei St. Josef in Würzburg.
In der armen Nachkriegszeit bezahlte man die Künstler zum Teil mit Lebensmitteln und Gänsen. "So war auch wirklich beiden geholfen, den hungernden Künstlern wie der kleinen Pfarrgemeinde, die in normalen Zeiten unmöglich diese Ausgaben hätte verkraften können" (Anton Moser).
Unter Pfarrer Eugen Hänle erfolgte 1977/1978 eine umfassende Innen- und Außenrenovierung des Gotteshauses. Die Kirchengemeinde kaufte ein abbruchreifes Anwesen an der Ostseite des Friedhofs und errichtete an dessen Stelle mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde im Jahre 1980 ein Leichenhaus.
St. Pantaleon in Seglohe
Die Kirche in Seglohe ist dem heiligen Pantaleon geweiht. Dessen orginelle Figur - angetan mit einem langen vornehmen Mantel, die Hände auf den Kopf genagelt- schaut von der Südwand auf die Gläubigen herab. Einst Leibarzt des römischen Kaisers Maximian starb er während der Christenverfolgung 305, nachdem ihn missgünstige Kollegen angeklagt hatten. Im Mittelalter wurde St. Pantaleon der Schutzherr der Ärzte und unter die Vierzehn Nothelfer aufgenommen, in deren Gruppendarstellungen wir ihn häufig finden können. Einzelbilder von ihm hingegen sind sehr selten. Seglohe ist einer der wenigen Orte im deutschsprachigen Raum, die eine Pantaleon-Figur ihr eigen nennen kann.
Eine erste Nachricht von der Kirche in Seglohe erreicht uns bereits aus dem Jahre 1063. Der Augsburger Bischof Heinrich III. hatte Mitte des 11. Jahrhunderts in Seglohe Besitz erworben. Es war dies unter anderem "1 Hube mit einem Teil der Kirche (in Segelova cum parte ecclesiae huba 1 ..") Die Herren von Seglohe sicherten durch Grunderwerb die Existenz der Kirche und kauften 1395 "ein halb Theil des Holzes das Immenthal genannt." Dazu kamen "Jahrtäge", Almosen "christgläubiger" Menschen sowie Stiftungen an Grund und Boden. Nach dem "Fundations- und Stiftungsbrief" erhält Seglohe 1499 den Status einer Kaplanei. Nach den Wirren der Reformation blieb diese unbesetzt und kam zunächst nach Schopflohe und schließlich - bis heute- zur Pfarrei Hausen.
Durch das segmentbogenartige Barockportal betritt man die Kirche, die in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand. Anfang des 18. Jahrhundert erfolgte die barocke Umgestaltung; 1912 wurde sie nach Westen erweitert und erhielt den zierlichen Dachreiter. Damals legten die Segloher auch einen Friedhof an, so dass die Toten nicht mehr in Hausen bestattet werden mussten, sondern im Dorf bleiben konnten.
Von der Halbkuppel des Chorraumes geborgen, erhebt sich der Hochaltar aus Stuckmarmor. Korinthische Säulen rahmen das Bild der Vierzehn Nothelfer, unter denen sich St. Pantaleon mit den auf seinen Kopf genagelten Händen zu erkennen gibt. Auf den Konsolen stehen wichtige Helfer in Alltagsnöten: der Pestpatron St. Rochus und der Patron gegen Feuersnot St. Florian. Besonders tief musste im Chor unter den Verputz gegangen werden, um die ursprünglichen Wandmalereien der Vergessenheit zu entreißen. Hier wird das Denken des Mittelalters offenbar: Zwei Schwerter symbolisieren Kaiser und Papst, die weltliche und geistliche Macht.
Eine gespenstische Atmosphäre herrscht im Dachboden des Kirchenschiffes. Kopfüber hängen dort in den Sommermonaten etwa 750 Fledermäuse (Großes Mausohr). Diesen lautlosen Seglern der Nacht wird oft Abenteuerliches nachgesagt, Böses zumeist. Vampire sollen sie sein, Blutsauger, die sich auf Menschen stürzen und sich in den Haaren festkrallen. In Wirklichkeit sind sie harmlos und ernähren sich ausschließlich von Insekten. Fledermäuse sind die einzigen Säuger, die mit den Händen fliegen und den Ohren sehen (Echolot). Sie existieren schon viel länger als wir Menschen und sind jetzt vom Aussterben bedroht.
St. Rufus in Hausen

Am nordwestlichen Riesrand sind mehrere Kirchen unter den Schutz römischer Martyrer gestellt worden: St. Laurentius in Herblingen und Minderoffingen, St. Pantaleon in Seglohe und St. Rufus in Hausen. Möglicherweise steht das Patrozinium in Hausen im Zusammenhang mit dem nahen Kastell Ruffenhofen. St. Rufus als Kirchenpatron (27. August) dürfte wenigstens in Deutschland eine Einzelerscheinung sein. Seine Verehrung weist in frühchristliche Zeiten zurück. So wurde er im dritten Jahrhundert als Patron von Avignon verehrt, wo sich noch heute die Ruinen der berühmten Rufusabtei finden.Das Kloster Feuchtwangen erhielt wohl Anfang des 14. Jahrhunderts durch den dritten Stiftspropst Rudolf von Hürnheim-Hochaltingen (1309 – 1318) das Recht, in Hausen den Pfarrer einzusetzen.1401 bestätigt Papst Bonifatius IX (1398 –1404), dass "die Pfarrkirche in ...Hawsen hinter Haheltingen ...seit unvordenklichen Zeiten zur Kollegiatkirche Unserer Lieben Frau in Feuchtwangen gehört, von der auch dass Recht der Seelsorge vergeben wird." Die Einkünfte der Pfarrkirche mussten zum "Nutzen und Unterhalt der Chorherrn" gereicht werden.
Die Kirche nahm in gotischer Zeit ihren Anfang. Um 1600 war ein "Wolfgang von Hausen" Bischof von Regensburg.. Er verbesserte "den Gottesdienst" und zeichnet wohl auch für bauliche Veränderungen in der Pfarrkirche verantwortlich. An der südlichen Außenmauer entdeckte man jedenfalls bei der letzten Renovierung die Jahreszahl 1603. Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche wieder renoviert und erhielt 1724 den barock behelmten Turm, den ein originelles Rufusbild bekrönt. Durch den südlichen Anbau von 1870 entstand der Grundriss eines Kreuzes. Die in mehreren Jahrhunderten gewachsene Pfarrkirche gewinnt durch die spätbarocke, sich dem Klassizismus zuneigende Ausstattung eine einheitliche Gestalt.In Aufbau und Form ähneln sich die drei Altäre. Schräggestellte Pilaster und Säulen mit Muschelwerk und Akanthus rahmen das Altarbild des heiligen Rufus, der als römischer Offizier hoch zu Ross dargestellt ist. Ein besonderes Schmuckstück ist die Kanzel, ein klassizistischer runder Korpus mit silbern gefassten zierlichen Figuren der Evangelisten. Ein geschickter Handwerker aus Belzheim schnitzte die Stuhlwangen mit Akanthusranken und Muschelbekrönung. Die strenge Form wird dem wuchtigen Eichenholz gerecht, aus dem sie geschnitzt sind. Das Signum des Künstlers findet sich auf der Empore der südlichen Seitenkapelle: "Balthas Bihler Anno 1751".

Volkskundlich interessant sind die Deckengemälde von 1872, die Stationen aus der Legende des heiligen Rufus zeigen. In der rechten Seitenkapelle verlegt der Maler die Hinrichtung des Heiligen ins kriegsfreudige 17. Jahrhundert. Vor der Kulisse des Dorfes mit Kirche und Pfarrhaus eröffnen schwedische Reiter das Feuer auf den berittenen Offizier St. Rufus. Gegenüber zeigt das Deckengemälde St. Rufus als Schutzpatron, den die ländliche Bevölkerung anrief: Eine Familie bittet in ihrer Not vor den Reiterstandbild des heiligen Rufus um die Fürsprache bei Gott. Diese Darstellung erinnert wohl an die Zeit, als Hausen als Wallfahrtsort aufgesucht wurde. Von weit her brachten Mütter ihre kranken Kinder hierher. Sie wurden entweder auf Fürsprache des heiligen Rufus gesund oder sind bald von ihren Leiden erlöst worden und gestorben.
Im teilweise hoch ummauerten Friedhof stehen das Ölberghaus mit flachem Walmdach aus der Zeit um 1800 und das Leichenhaus, das 1978 mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde errichtet wurde.
St. Peter-Kapelle
Nur noch selten verirrt sich ein Beter zu der nördlich von Uttenstetten gelegenen Andachtsstätte des heiligen Petrus.
Die kleine rechteckige Kapelle mit Vorlaube aus Holz entstand wohl noch im 18. Jahrhundert. Der Altar mit Akanthusdekor barg einst die Holzfigur des Apostelfürsten Petrus. Im Jahre 1931 pilgerten viele Gläubige -auch aus den Nachbarorten- hierher und nahmen an der Einweihung des Kreuzes teil. Ahnten sie, welche Katastrophe das 3. Reich und der Nationalsozialismus über unser Vaterland bringen sollte?
Hier ist uralter Siedlungsboden. Menschen des Neolithikums haben im geheimnisvollen Peterwald ihre Spuren hinterlassen. Tief im Gehölz wölben sich jahrtausendealte Grabhügel und an anderer Stelle schirmte eine Wallanlage unbekannter Zeit die Höhensiedlung nach Norden hin ab. Heute trifft man im Peterwald auf kahle Flächen. Die Winterstürme Wiebke (1989) und Lothar (2000) haben gerade im Fichtenforst beträchtliche Schäden angerichtet.
"Ich weiß bei uns", so fabuliert Herman Seufert, "einen wunderlich verträumten Winkel, wo einem St. Peter die Tür zum Himmel aufsperrt. Schwärmt vom sonnigen Süden, lobt das weite Meer und den Firnenkranz der Alpen, für mich gibt es kein stilleres, kein tröstenderes Plätzchen als droben am Bergwald über der Mauch bei St. Peter." Es verwundert nicht, dass sich an diesem verschwiegenen Platz die Liebespaare trafen und ihre Initialen in Bank und Türe ritzten.
Auf der Bank unter den mächtigen Kronen der Steinlinden sitzend höre ich das Zirpen der Grillen im Wiesengrün. Bienen und Mücken summen begleitend dazu. Ein bunter Falter gaukelt vorüber. Nur ab und zu fällt der Schrei des Eichelhähers in die Lichtung. In der Nähe des Heiligtums haben selbst die Hornissen ihre sonstige Angriffslust verloren und lassen sich lieber von den goldenen Getreideähren wiegen.
"So selig duften die Linden.
Droben am Berg beim Wald.
Mein Herz wird Ruhe finden,
Träume werden Gestalt.
St. Peter in der Kapelle
Hebt segnend die Hand.
Des Himmels hohe Helle
Sinkt auf Mauer und Wand.
Und leuchtend seh´ ich die Wälder steh´n
Spüre ihr Atemwehn,
Süßes Sommerempfinden ...
So selig duften die Linden"
(Hermann Seufert)
St. Blasius in Raustetten
"Wenn man viel zu schlucken hat."
Die Kirche in Raustetten ist Ausdruck einer gottseligen Zeit und ein Denkmal spätbarocker Frömmigkeit.
Der kleine Ort mit den wenigen Häusern hätte sich dieses Gotteshaus wohl kaum leisten können, hätte nicht das Fürstkapitel Ellwangen die Kirche von Anfang an "gut dotiert, und zwar mit Kapitalien und liegenden Gütern."
So entstand als Nachfolgebau zwischen 1686 und 1688 diese Kirche, die 1696 geweiht wurde.
Planung und Ausführung lagen in den Händen des Vorarlbergers Christian Thumb, der etwa zur gleichen Zeit nach den Plänen seines Bruders die Wallfahrtskirche auf dem Schönen Berg bei Ellwangen erbaute.
Bescheiden gibt sich die Kirche von außen.
An das rechteckige Schiff schließt sich der eingezogene Chor an, der in einer Ellipse endet.
Ein oktogonaler Dachreiter, in dem drei Glocken Platz finden, bekrönt das steile Dach.
Die herrliche Rokokoausstattung der Kirche erscheint uns als ein Abglanz des Himmels.
Die Kunst erreicht über das Auge unser Herz.
Unter der Halbkuppel des Chorraums erscheint in der Muschelnische St. Blasius, der Heilige mit der Segenskerze. Seine Legende zieht in farbigen Bildern am Antipendium vorüber: Die wunderbare Heilung eines vom Erstickungstod bedrohten Kindes, das grausame Martyrium und die Enthauptung.
Der heilige Blasius wird nicht nur als einer der Vierzehn Nothelfer bei Halskrankheiten angerufen. Er ist auch der Schutzpatron für das Vieh, wie ihn der Dillinger Anton Haffe 1723 auf dem großen Leinwandgemälde an der Südwand verherrlicht. Das Bild schmückte wohl ursprünglich den Hochaltar bis er durch einen Brand 1755 Schaden gelitten hatte und neu gefasst werden musste.
Das Stiftskapitel ließ eine "sehr artige Klause" nördlich der Kirche errichten und mit zwei Einsiedlern besetzen, die den Mesnerdienst versahen. Sie legten einen "nützlichen Baumgarten" an, "in welchem das beste Obst in hiesigem Landrevier anzutreffen" war.
Nach dem Tode des Einsiedlers Franciscus Baumann 1755 wurde sein Mitbruder Leonhard Dürr "gewaltsam" vertrieben, nachdem ihm der Raustettener Vogt die Schuld für den Brand des Hochaltares zugeschoben hatte.
Die kleine Pfarrei, zu der auch Ellrichsbronn und seit der Reformation die Katholiken aus Schopflohe gehörten, betreuten meist die Geistlichen aus Hochaltingen und Fremdingen.
1755 setzte das Stiftskapitel einen eigenen Priester nach Raustetten „gerechtfertigt durch den starken Wallfahrtsbesuch“. So hat Pfarrer Michael Vogt (1715 - 1787) 128 Fälle verzeichnet, bei denen Menschen und Tieren auf Fürbitte des heiligen Blasius geholfen wurde.
Nachdem der Pfarrer zunächst in der Eremitage unterkam, erhielt er 1760/61 einen eigenen Pfarrhof. Dieses repräsentative zweistöckige Gebäude mit steilem Walmdach steht heute leer und sucht eine neue Nutzung.
Der bislang letzte Pfarrer war Alexius Dormaier.
Nüchtern klingt seine Bilanz beim Abschied 1926: "Die religiösen Bedürfnisse der wenigen Seelen können ohne Schwierigkeiten vom Pfarrer von Fremdingen befriedigt werden, der ebenso auch die Verwaltung des Stiftsvermögens besorgen kann. Und das schöne Kirchlein des heiligen Blasius kann leichter instandgesetzt und -gehalten werden, wenn die Stiftung nicht mehr so viel zur Besoldung des Pfarrers leisten muss.. . So klingt sie schmerzlich, doch nicht trostlos aus - die Pfarrgeschichte von Raustetten."
Immer am 3. Februar feiert Raustetten das Jahresfest so würdig, wie es die Vorfahren überliefert haben. Die Landleute kommen in sonntäglichen Gewändern, denn für sie ist Feiertag. In Scharen ziehen die Gläubigen unter den Chorbogen, um vor den Lichtern der gekreuzten Kerzen den Blasiussegen zu empfangen. Sie nehmen aus der Hand der Mesnerin die Weihebrote, die "Blasesloibla", die Mensch und Vieh Gesundheit bringen sollen.
Marienkapelle in Enslingen
Wohl schon seit Bischof Sintperts Zeiten (etwa 778 bis 807) gehörte Enslingen zum Urpfarrverband Offingen. Das Ausgburgische Kirchengut geht nicht auf "königliche Wurzeln" zurück, sondern ist der Herrschaft nach eigener Besitz des Bistums.
Ende des 13. Jahrhunderts werden zahlreiche Güter in Enslingen an die Rieser Klöster "Zimbern" (Kloster Zimmern), Kirchheim und Kaisheim verkauft.
1306 besaß der Bischof von Augsburg die "Gefälle des Widenhofes", den die Grafen von Oettingen im Jahre 1627 erwarben. Die Früchte mussten zu Martini auf den "Kasten" nach Nördlingen gebracht werden.
Den westlichen Eingang des Dorfes bewacht die 300 Jahre alte Marienkapelle.
Ganz im Stil des Klassizismus erhebt sich der um 1800 erbaute Turm. Durch sein flaches Pyramidendach und den drei übereinander gestaffelten Gesimsen betont er die Horizontale und übernimmt die Funktion als Träger der Uhr und der Glocke.
Der eingezogene Chor mit rundbogigen Fenstern birgt den barocken Altar.
Vier Säulen flankieren die Kopie des populären Passauer Maria- Hilf-Bildes.Vorbild dafür ist das Bild von Lukas Cranach, das er nach einer byzantinischen Ikone malte. Hilfesuchend schmiegt sich das Jesuskind an die Wange seiner Mutter, die sich ihm liebevoll zuneigt. Zwei Engel halten die Krone über Maria, der mächtigen Himmelskönigin für ihre Verehrer und gegen ihre Feinde.
Die Anrufung Mariens in großer Not geht auf die frühe christliche Zeit zurück. Als Kaiser Leopold nach der Schlacht gegen die Türken bei Lepanto in Passau vor dem Gnadenbild der Gottesmutter das Gebet "Maria, hilf" ständig wiederholte, dehnte sich die Maria-Hilf-Frömmigkeit sehr schnell über den süddeutschen Raum aus. Nach dem erneuten Sieg über die Türken bei Wien im Jahre 1684 verbreitete sich die Maria-Hilf-Verehrung bis zu den Enslingern und bewog sie, eine Kirche zu bauen.
In der Kartusche über dem Bild steht St. Vitus in einem Kessel von siedendem Pech. Er ist einer der 14 Nothelfer und Patron der Stadt Ellwangen.
An der Südwand beeindruckt eine Kreuzigungsgruppe aus der Erbauungszeit. Neueren Datums ist die Madonna mit Jesuskind und Weltkugel.
Kapitalien der Stiftung und Pachteinkünfte, die von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, sichern den Unterhalt der Andachtsstätte. 2001 haben die Enslinger ihre Kapelle vorbildlich innen und außen renoviert.
Die Gemeinde erneuerte die Turmuhr, die dem Dorf Zeit und Vergänglichkeit verkündet. Die Fläche an der Südseite wurde entsiegelt, dorfgemäß gestaltet und begrünt.
Die Gottesmutter wird auch heute noch von den Enslingern beim Rosenkranzgebet angerufen, insbesondere als Helferin für eine gute Sterbestunde, für die Armen Seelen im Fegfeuer, als Schützerin der Fluren und als Begleiterin im Lebenskampf.