Kreuze & Denkmale
Bedeutung
"Die Wege sind verlassen, und oft sind wir allein". Und doch: Die Wege unserer Heimat sind gesäumt von Hoffnungszeichen des christlichen Glaubens -von Feld- und Waldkreuzen, Bildstöcken, Marterln und Sühnekreuzen. Der Mensch ist nicht allein.
Wie Meilensteine der Frömmigkeit stehen Kreuze und Denkmale in unseren Fluren und Wäldern. Sie sind echte Zeugnisse menschlichen Lebens. Seufzer und Tränen, Fürbitten und Gebete, Gelübde und fromme Versprechen haben in ihnen Gestalt angenommen.
Als Ausdruck religiöser Gesinnung dienen die Denkmale der Erinnerung an überstandene Not und Gefahr.
Andere sind Bitten um göttlichen Segen, sei es für das Gedeihen der Feldfrüchte oder das Wohlergehen von Mensch und Tier. Manches gestammelte Wort frommen Dankes, manche tiefe religiöse Empfindung hat sich in diesen schlichten Denkmalen erhalten. Sie sind herausgewachsen aus der christlichen Überzeugung, dass alles Geschehen dieser Welt letztlich Gottes Willen entspringt. Sie bewahren die vergehenden Spuren menschlicher Schicksale und erinnern an vergangene und vergehende Generationen. Sie ehren nicht die Taten großer Staatsmänner, Dichter und Denker, sondern sind Ausdruck der Kultur der sog. "kleinen Leute".
Im Mittelalter mussten Sühnekreuze errichtet werden, wenn ein Mord geschehen war.
Marterln und Gedenksteine erinnern an Unglückfälle.
Andachtskreuze stehen im Dorf oder am Rand in der Flur.
Sie sind oft Ziel von Prozessionen an Fronleichnam oder beim Flurumgang. Gelegentlich findet man auch Kreuze vor den Bauernhöfen als Ausdruck des Glaubens.
Christus breitet die Arme aus, als wolle er das Haus vor Unheil schützen. So ein Hauskreuz finden wir in Herblingen. Als ein Symbol der Treue rankt sich immergrüner Efeu um das 1923 von der Familie Wiedenmann errichtete Hauskreuz.
Die Totengedächtniskreuze am Straßenrand nehmen zu in der heutigen Zeit. Sie erinnern an tödliche Unfälle und mahnen zugleich zu rücksichtsvollen Verhalten im Straßenverkehr.
Übersicht
"Dreikreuz" Herblingen
Im Schatten sommerbunter Kronen von zwei Linden und einer Kastanie beten die "Drei Kreuz". Sie sind zu einem der Wahrzeichen Herblingens geworden. Unsere Vorfahren haben einst drei Holzkreuze dort am westlichen Eingang zum Dorf bei der "Heerstraße" errichtet.
Wollten sie mit ihnen die tödliche Seuche der Pest abwehren, oder die Pestkranken davon abhalten, das Dorf zu betreten? Im Zuge der Flurbereinigung sind die Holzkreuze durch einen Gedenkstein aus Jura ersetzt worden, den der Bildhauer Gottfried Stampfer aus Berg bei Donauwörth gestaltete.
Vor einem Menschenleben zogen die Bauern noch mit ihren Ochsen und dem Pflug übers Feld. Fast jeder Grundstückseigentümer bewirtschaftete seine Flächen selbst, die meist kaum größer waren als ein Fußballfeld. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es um die Steigerung der Produktion, um die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen. Aus den Ochsen wurden ein Lanz-Traktor und später ein moderner Schlepper, der mit einem Vierscharpflug ausgerüstet war. Für einen modernen Maschinenpark waren die Felder nicht groß genug. Außerdem verkrafteten die Feldwege kaum die schwerer werdenden Maschinen.
Die Gemeinde unter Bürgermeister Georg Faußner und Landwirte beantragten deshalb eine Flurbereinigung. In der Teilnehmerversammlung am 16.10.1962 wurden die sechs Mitglieder der Vorstandschaft und deren Stellvertreter gewählt. Der Landbedarf für die gemeinschaftlichen und öffentlichen Anlagen, für Ausgleich von Härten und für den Flächenausgleich infolge Neuvermessung wurde auf 7 % des Wertes der Einlageflurstücke festgesetzt. Nach Anhörung der Teilnehmer erstellte man den Flurbereinigungsplan. Die zur Ausführung der Flurbereinigung erforderlichen Aufwendungen fielen der Teilnehmergemeinschaft zur Last. Zu den nicht durch Beihilfen aus öffentlichen Mitteln gedeckten Kosten mussten sie Beiträge nach dem Wertverhältnis ihrer neuen Grundstücke leisten, so heißt es im Textteil zum Flurbereinigungsplan von 1967.
Man baute zunächst stabile Wege, legte die kleinen Grundstücke zu größeren Flächen mit meist rechtwinkligem Zuschnitt zusammen, entwässerte die Felder und begradigte die Bachläufe. Die Bergäcker wurden aus der Produktion herausgenommen und auf 7,4 ha Wald, insbesondere Kiefern, Lärchen und Fichten sowie Edellaubhölzer angepflanzt. Durch die Flurbereinigung konnten die Landwirte Arbeitszeit und Kosten in erheblichem Maße einsparen, um auf dem europäischen Markt bestehen zu können.
In den letzten Jahren hat allerdings ein besorgniserregender Strukturwandel eingesetzt. Sinkende Preise, unkalkulierbare Abhängigkeit von staatlichen Ausgleichszahlungen, dazu die hohen Auflagen z.B. durch die Düngeverordnung veranlassen immer mehr Bauern ihre Stalltüren zu schließen. Ein Berufsstand, der über viele Jahrhunderte unsere dörfliche Kultur geprägt hat, droht zur Minderheit zu werden. So ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der Einheitsgemeinde in den letzten 30 Jahren von 262 auf 119 zurück.
Mögen die "Drei Kreuz" auch die Pest der heutigen Tage von unseren Dörfern abwehren.
Sühnekreuze in Schopflohe
"Alte Kreuze stehen am Rain,
Künden, was geschehen.
Doch der Wanderer zieht vorbei
Kann sie nicht verstehen".
Am sog. "Keller" südlich von Schopflohe an der Straße nach Hochaltingen soll einst eine Kapelle gestanden habe. Wenn wir vor dem steinernen Kreuz am Fuße des Hügels stehen, erfasst uns ein ehrfürchtiger Schauer, denn es ist von schrecklichen Geheimnissen umwittert.
Sühnekreuze gehen auf mittelalterliches Brauchtum zurück. Sie befinden sich vorwiegend an Orten eines Verbrechens mit tödlichem Ausgang. Statt die Untat mit dem Tod am Galgen zu büßen, konnte der Verurteilte mit den Angehörigen des Ermordeten einen Sühnevertrag aushandeln. Das Sühnkreuz musste der Täter selbst errichten und lebenslang betreuen. Er hatte für das Seelenheil des Ermordeten zu beten, zumal dieser "ohne letzte Ölung" zu Tode gekommen ist. Dafür forderte auch die Kirche eine bestimmte Summe als Bußgeld, "Weggeld" genannt. So gelang es die Spirale der germanischen Blutrache zu durchbrechen und den Rechtsfrieden wieder herstellen.
Warum das Sühnekreuz aufgestellt wurde, verliert sich im Dunkel der Zeit. Georg Monninger vermutet, dass sich hier eine "Freistätte" befand, an der Zweikämpfe ausgefochten werden durften. Oder setzte man es zum Andenken an die untergegangene Kirche? Im Laufe der Zeit vergaß man die Hintergründe und nutzte das Areal im vorigen Jahrhundert als Bierkeller. Die Schopfloher trafen sich dort in den Sommermonaten unter schattigen Linden und Akazien, die heute als Naturdenkmal ausgewiesen sind.
Im Erdreich versunken vom Zahn der Zeit deutlich gegenzeichnet, überstand das Kreuz Wohlstand und Hungersnöte, Friedenszeiten und Krieg, Wind und Wetter. Dies gilt auch für fünf weitere Sühnekreuze an der Straße, die nach Hausen führt. Diese Denkmale, hinter denen Menschenschicksale stehen, sollten wir auch weiterhin in Ehren halten, um so das Andenken unserer Vorfahren zu würdigen.
Ein weiterer Stein erinnert an die Flurbereinigung, die in Schopflohe von 1962 bis 1968 durchgeführt für über 2 Millionen Mark durchgeführt wurde. Sie umfasste ein Gebiet von 559 ha, legte ein gut ausgebautes Wegenetz an, entwässerte die Felder, beseitigte die Kleinparzellierung und verbesserte so wirtschaftlichen Grundlagen der Bauern.
Hubertus-Bildstock in Herblingen
Als Dank für den Erhalt von Wild und Wald und für das Bestehen der Jägerprüfung wurde 2001 dieser Bildstock von der Familie Josef Bosch, Herblingen errichtet.
Das "Schwarze Kreuz" von Herblingen
An überstandene Not und Gefahr während des Dreißigjährigen Krieges erinnert das große "Schwarze Kreuz" an der Südwand in der Herblinger Kirche. "Zue Lob und Ehr des bitteren Leidens und Sterbens Jesu Christi hat der ehrbare und bescheidene Martin Meyer von Herblingen dieses Kruzifix aufrichten lassen, weil er so glücklich über den unseligen und schröcklichen Krieg kommen ist. Im Jahre 1649."
Den Dreißigjährigen Krieg, der zunächst unsere Gegend verschonte, bekam das Ries ab dem Jahre 1632 deutlich zu spüren. Im alten Hochaltinger Jahrtagsbuch notiert Pfarrer Kapfer: 1632 herrschte in "nostro pago Hochaltingen" eine furchtbare Krankheit. Vermutlich war es die Pest, der "Schwarze Tod", der die Bewohner in großer Zahl dahinraffte. Für die Menschen war der "Schwarze Tod" ein Zeichen des Zornes Gottes, eine Strafe, wie sie in den Offenbarungen des heiligen Johannes prophezeit worden war. Es wird auch berichtet, dass schwedische Landsknechte den Pfarrer gefangengenommen und ihn weggeschleppt haben.
In den Pfarrmatrikeln finden sich ab November 1632 keine Trauungen mehr und nur noch wenige Taufen, bei denen meist der Pfarrer selbst und der weldische Diener als Paten fungierten. Im Klosterbuch St. Maria Porten lesen wir: "Im Jahr da man zählt 1632, da war eine große Aufruhr mit dem Krieg wider die christliche Kirch, wie dann der schwedische König mit sambt seinem Volk groß Durchzüg getan, derentwillen wir großen Schrecken und Forcht habend eingenommen, das solche gleichsam nit auszusprechen oder zu schreiben ist." Den Klosterfrauen ist aber "von keinem nie kein Leid widerfahren."
Wenn wir die Namen der Dorfbewohner Herblingens vor und nach dem Krieg vergleichen, so stellen wir fest, dass wohl die meisten Bewohner umgekommen sind. Herblingen lag in Schutt und Asche. Nach dem Krieg erwarb "dieser oder jener eine Brandstatt", die "Herrschaft" lieferte unentgeltlich das nötige Bauholz zum Wiederaufbau, um wieder Steuerzahler anzusiedeln. Es dauerte lange bis sich Herblingen und das "Ländle" von den schrecklichen Kriegsereignisse erholt hatten.
Auch eine Sage hat sich aus dieser Zeit erhalten: Ein Trupp Soldaten sprengte durch Hochaltingen. Ihre wüsten Lieder und ihr trunkenes Geschrei mischten sich mit dem friedlichen Abendläuten, das von der Kirche herüberklang. Der Mond warf seinen silbernen Schein auf das Muttergottesbild über dem Eingangsportal der Kirche. Da riss der Anführer sein Ross an den Zügeln, dass es sich hoch aufbäumte. Noch ehe die anderen ihm wehrend in den Arm fallen konnten, hatte er seine Kugelbüchse auf das Marienbild angelegt. Ein Schuss krachte. Kaum war der Pulverdampf verzogen, sank der Nichtswürdige, der es gewagt hatte, das Heilige zu schänden, tot vom Pferd.
Marterl bei Eitersberg
Im Wald nordwestlich von Eitersberg steht ein Bildstock, den Xaver Ernst und seine Ehefrau Therese, geb. Eisenbarth, aus Hochstadt im Jahre 1956 errichteten. Pfarrer Anton Moser malte das dramatische Geschehen, das sich bereits 1845 hier abspielte.
Kleinbegüterte und Söldner waren insbesondere in "notigen" Zeiten darauf angewiesen, zusätzliches Futter für ihre Schweine zu besorgen. Der Verkauf von Eicheln brachte in guten Jahren auch bedeutende Einnahmen. Man schlug mit Stangen die Früchte von den Eichen herunter. Ganz Mutige kletterten sogar auf den Baum, um an die Eicheln zu kommen. Dies wurde dem jungen Anton Eisenbarth aus Hochstadt zum Verhängnis. Er stürzte kopfüber ab und brach sich das Genick. Wunibald Deubler aus Seglohe war es, der 1988 dieses Marterl fachgerecht auf seine eigenen Kosten renovierte.
Etwas nördlich des Bildstockes, wo versteckt im Forst die Grenze zwischen Franken und Schwaben verläuft, schimmern aus dem Grün des Waldes die grauen Mauern der Buchhofkapelle. Der Buchenhof, einst ein reiches Bauernanwesen, steht längst nicht mehr. Hier hauste vor gut 150 Jahren ein "Sonderling", der auf seinen Waldbesitz besonders stolz war. Gern soll er den Fürnheimern mit Holz ausgeholfen haben. Aber er hatte eine Eigenart: Man durfte von ihm keine Rechnung verlangen, weil er nicht schreiben konnte. Nach seinem Tod ging der Hof an auswärtige Erben über. Diese rissen ihn ab und der Fürst von Oettingen kaufte den Besitz. Das Waldheiligtum blieb stehen. Geweihtes hat halt doch länger Bestand. Ihren großen Tag hat die Kapelle im Mai, wenn sich fromme Marienverehrer aus dem Ries und dem Frankenland hier zur Andacht treffen.
Im Oettinger Forst, der sich von Oettingen bis nach Mönchsroth hinzieht, erzählt man über die "Weise Frau", die "Sybill" genannt wurde. Die "Wäldler" vertrauten sich ihr in Krankheit und Not an. Sie kannte die geheimsten Standorte des Türkenbundes, des Salomonsiegels und des Frauenschuhs. Sie verstand sich auf die Heilkraft der Kräuter, ja sie weissagte aufsässigen Bauernburschen auf den Tag genau, wann sich ihr Wildererschicksal erfüllte.
Neben diesen und anderen Geschichten kommen mir beim Wandern durch das lichte Grün des Waldes die Verse Michael Eberhards in den Sinn:
"Mir g´hört vom ganza Holz koi oizea Ruat,
Koi Tannazapf, koi Stäudle ischt mr oiga.
Ond trotzdem acht i`s als mei Hoimatguat.
Könnt iaderma` mei Glück, mein Reichtum zoiga".
Gedenkstein im Segloher Krautgartenholz
Düster und unheimlich kommt uns das Krautgartenholz vor am Berg nordwestlich von Seglohe.
Unter dunklen Fichten erinnert ein Gedenkstein an einen tragischen Unglücksfall.
Es war kurz vor Weihnachten 1993. Drei Männer machten sich am frühen Nachmittag auf ins Krautgartenholz, um das eingeschlagene Holz zu vermessen. Kaum hatten sie ihre Arbeit begonnen, da kam ein heftige Sturmböe daher. Sie knickte eine 20 Meter hohe Fichte wie ein Streichholz. Der fallende Baum erschlug Otto Kapeller. Der 50jährige Familienvater hinterließ seine Frau und drei Kinder. Am Heiligen Abend wurde er bei der St. Pantaleonskirche in Seglohe unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.
Das Krautgartenholz ist ein Teil des umfangreichen Besitzes der Waldgenossenschaft. Die Segloher bewirtschaften ihren Forst gemeinsam und hüten treu das Erbe ihrer Vorfahren.